EGW-NewsSuper-League-Torrausch, frühe Wettanalysen & was die Statistiken jetzt bewegt

Super-League-Torrausch, frühe Wettanalysen & was die Statistiken jetzt bewegt

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Super-League-Torrausch, frühe Wettanalysen & was die Statistiken jetzt bewegt 1

69 Treffer aus 18 Partien nach den ersten drei Runden - die neue Super-League-Saison liefert jetzt schon reichlich Tore und jeder dritte Treffer wurde durch einen eingewechselten Spieler erzielt. Das kann für frühe Wettprognosen spannend sein, bietet gleichzeitig aber einen guten Grund, erste Ergebnisse nicht zu schnell zu bewerten und hochzurechnen.

Nach den ersten 18 Spielen der Super League waren es 3,83 Tore pro Partie. Die Saison 25/26 endete zum Vergleich mit insgesamt 750 Treffern, verteilt auf 228 Begegnungen. Rund 3,29 Tore je Match - der aktuelle Wert liegt deutlich darüber.

Auch am vierten Spieltag ging es torreich weiter: Die Young Boys schlugen Aufsteiger Vaduz mit einem 4:2, Basel gewann beim FC Zürich mit 2:1, während Luzern gegen Lausanne mit einem 1:0 abschloss. Das Datenbild ist allerdings bereits etwas schief, weil drei Partien aufgrund der Europacup-Play-offs nicht wie geplant stattfinden konnten.

Ein offensiver Saisonstart ist für Wettanalysten verführerisch

Fallen in drei Runden fast vier Treffer pro Partie, sehen Märkte wie «Über 2,5 Tore» plötzlich attraktiver aus. Dasselbe gilt für Wetten auf Tore beider Mannschaften oder Live-Märkte nach einer offenen Anfangsphase. Auf Wettseiten wie Sportaza stehen Fussballmärkte neben Angeboten zu weiteren Sportarten und laufenden Begegnungen. Die Quote erklärt allerdings nicht, warum die Super League derzeit so torreich ist. Dafür muss man tiefer in die Spielverläufe schauen.

Wer früh auf Tore schaut, muss mit kleinen Stichproben leben:

Von den ersten 69 Saisontoren wurden 23 Treffer (mit 33,3% circa ein Drittel) durch Einwechselspieler erzielt. In der Vorsaison waren lediglich 18,5% aller Tore Jokertreffer, 24/25 waren es 18,3%.

Das ist ein gewaltiger Unterschied, aber aus einer 18-Spiele-Basis lässt sich keine neue Normalität ableiten. Zwei auffällige Runden reichen bereits aus, um den Durchschnitt hier deutlich nach oben zu katapultieren.

In Runde 1 kamen 3 Tore von der Bank, danach explodierte die Statistik

Sowohl am zweiten als auch am dritten Spieltag trafen eingewechselte Spieler jeweils zehnmal. Der bisherige Ligarekord für eine einzelne Runde wurde damit gleich zweimal eingestellt.

Hinter den 23 Treffern standen 20 verschiedene Spieler:

Enoch Owusu vom FC St. Gallen und Luganos Yanis Cimignani erzielten nach ihren Einwechslungen sogar jeweils einen Doppelpack. Sions Winsley Boteli kam ebenfalls bereits auf zwei Jokertore - das ist für die Analyse eines Spiels interessanter als eine reine Torstatistik, denn wer nur die Startelf betrachtet, verpasst derzeit einen ungewöhnlich grossen Teil der offensiven Produktion.

Einzelne Spielerprofile werden wichtiger:

Xherdan Shaqiri traf beim 4:2 des FC Basel gegen Thun nach seiner Einwechslung. Es war erst sein zweites Jokertor in insgesamt 48 Super-League-Treffern.

Die ersten Wochen erzählen keine einfache Geschichte von besonders offensiven Startformationen, denn viel passiert erst später.

5 Wechsel machen die Bank wertvoller

Seit dem Jahr 2020 dürfen fünf Spieler gewechselt werden: Trainer können damit stärker auf den Verlauf reagieren, ohne ihre Wechsel bereits nach zwei oder drei Anpassungen aufgebraucht zu haben.

Bei einem unerwarteten Rückstand lassen sich so mehr offensive Kräfte direkt einsetzen. Und bei einer Führung kann man frisches Tempo einwechseln, um das Momentum für Konter zu halten. Dazu kommen müde Verteidiger, grössere Räume und Spieler von der Bank, die nur 20 bis 30 Minuten Vollgas gegen müssen.

Ein paar Punkte sind deshalb vor einer frühen Torwette interessanter als der reine Saisonschnitt:

  1. Wie viele Tore erzielt ein Team nach der 60. Minute?
  2. Welche Offensivspieler sitzen tatsächlich auf der Bank?
  3. Wie stark ist der Gegner in der Schlussphase?
  4. Kommt ein Klub direkt aus einem Europacup-Spiel?

Der letzte Punkt ist derzeit besonders relevant: Basel, Thun, Lugano, St. Gallen, Sion und weitere international beschäftigte Klubs müssen ihre Belastung zwischen Liga und Europacup steuern. Schon am vierten Spieltag wurden deshalb mehrere Ligapartien neu angesetzt.

3,8 Tore bleiben noch keine neue Norm

Nach den drei bereits ausgetragenen Spielen der vierten Runde steht die Liga bei 79 Toren aus 21 Partien. Der Schnitt liegt damit bei rund 3,76 Treffern pro Spiel.

Das ist weiterhin deutlich mehr als die rund 3,29 Tore der kompletten Vorsaison. Die Differenz ist gross genug, um hinzuschauen. Für weitreichende Schlüsse ist Ende August trotzdem zu früh.

Ein paar torarme Runden können den Schnitt schnell drücken.

Dasselbe gilt für die Jokertore. Ein Anteil von einem Drittel wäre über eine komplette Saison historisch, momentan basiert er auf wenigen Spieltagen.

Die Vorsaison liefert dafür einen guten Gegenpol: Damals fielen insgesamt 139 Jokertore. Das klingt nach viel, entsprach bei 750 Treffern aber nur 18,5%. Der derzeitige Wert ist fast doppelt so hoch.

Wilder Start für die Super League 26/27, aber noch kein Saisonmuster

Viele Tore, auffällig erfolgreiche Einwechslungen und mehrere Mannschaften, deren Partien früh offen werden. Diese Daten sind für Wettanalysen wertvoll.

Es muss aber klar bleiben, was sie darstellen: immer nur eine Momentaufnahme.

Wer daraus sofort die komplette Saison prognostizieren will, macht aus 18 oder 21 Spielen deutlich mehr, als sie hergeben.

Die kommenden Wochen werden interessanter: Bleibt der Torschnitt hoch? Treffen Joker weiterhin ungewöhnlich häufig? Normalisieren sich die Werte wieder, sobald die Mannschaften ihren Rhythmus gefunden haben?

69 Tore und 23 Jokertore nach 18 Partien sowie die Vergleichswerte der vergangenen Spielzeiten. Die Resultate der bereits ausgetragenen Partien des vierten Spieltags und die Spielverschiebungen sind ebenfalls aktuell durch die Swiss Football League bestätigt. Diese Zahlen liefern genug Stoff zum Diskutieren, aber die eigentliche Aussage entsteht erst, wenn mehr Spiele dazukommen.

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