Der Bus Rückblick
Nach fünf Jahren in der Early-Access-Phase erscheint The Bus in der Version 1.0 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series-Konsolen. Das von TML-Studios entwickelte und von Aerosoft veröffentlichte Spiel bildet Berlin im Maßstab 1:1 nach und verfügt über mehr als 200 Bushaltestellen, die über das reale Straßennetz der Stadt verteilt sind. Die Spieler steuern offiziell lizenzierte Busse von Mercedes-Benz, MAN, Scania, VDL und Galaxis auf Strecken wie den Linien TXL, 100, 200 und 300. Das Spiel kostet £34.99/ $39.99 und wird mit drei Modi ausgeliefert: Freies Spiel, Wirtschaft und PC-exklusiver Mehrspielermodus.
Berlin in voller Größe

Das herausragende Merkmal von The Bus ist seine Karte. Berlin wird in realistischen Proportionen dargestellt. Nicht verdichtet, nicht stilisiert, sondern so gebaut, dass sie Block für Block der tatsächlichen Stadt entspricht. Wer vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor fährt, legt die richtige Strecke auf den richtigen Straßen zurück. Die Siegessäule erscheint dort, wo sie stehen soll. Die Straßenabstände, die Anordnung der Kreuzungen und die Platzierung der Wahrzeichen stimmen mit den realen Positionen überein. Die meisten Verkehrssimulatoren komprimieren ihre Umgebungen, um die Fahrzeiten überschaubar zu halten. The Bus lehnt diesen Ansatz völlig ab, und das Ergebnis ist eine Stadt, deren Durchquerung ungefähr so lange dauert wie in der Realität.
Dieser Maßstab verändert das Spielgefühl. Auf den morgendlichen Strecken herrscht eine andere Verkehrsdichte als auf den nächtlichen Strecken. Das Wetter ändert sich durch Regen, Schnee und jahreszeitliche Veränderungen, wodurch sich die Sicht und die Straßenverhältnisse ändern. Das Spiel kann sein Wetter mit den realen Bedingungen in Berlin synchronisieren und durchläuft einen vollständigen Tag-Nacht-Zyklus. Fußgänger kleiden sich der Jahreszeit entsprechend. Im Sommer tragen sie leichtere Kleidung. Im Winter ziehen sie sich warm an. Wenn es regnet, holen sie Regenschirme hervor. Sie tragen Handys, Taschen und Kaffeebecher zum Mitnehmen. Keines dieser Details wirkt sich direkt auf das Gameplay-System aus, aber sie fügen sich zu einer Stadt zusammen, die sich bewohnt anfühlt und nicht nur gerendert.
Da das Spiel auf der Unreal Engine 5 basiert, ist die visuelle Verbesserung gegenüber der Early-Access-Version deutlich. Beleuchtung und Reflexionen profitieren von dem Engine-Upgrade, und die Umgebungstexturen von Straßen, Gebäuden und Wahrzeichen wurden sorgfältig modelliert, um die reale Stadt widerzuspiegeln. Die Busse verfügen über detaillierte Innenräume mit funktionalen Armaturenbrettern, funktionierenden Bordcomputern und realistischen Fahrgastbereichen. Auf PlayStation 5 simulieren die adaptiven DualSense-Trigger den Widerstand der schweren Buspedale beim Beschleunigen und Bremsen und sorgen so für ein haptisches Erlebnis, das den anderen Plattformen fehlt.
Hinter dem Lenkrad

Die Bedienung eines Busses geht über Lenkung und Geschwindigkeitskontrolle hinaus. Jedes Fahrzeug verfügt über einen voll funktionsfähigen Bordcomputer. Die Gelenkbusse verwenden das ATRON-System. Vor der Abfahrt loggen sich die Fahrer ein, indem sie eine Routennummer und eine PIN eingeben. Die Spiegel müssen manuell betätigt werden. Die Türen öffnen und schließen sich unter direkter Kontrolle. Der Fahrkartenverkauf erfolgt über den Bordautomaten, wobei die Fahrgäste bar bezahlen und das Wechselgeld über das System erhalten.
Es stehen drei Steuerungsprofile zur Verfügung. Der realistische Modus erfordert die volle Auseinandersetzung mit allen Abläufen und Systemen. Der Arcade-Modus reduziert die Komplexität zugunsten einer entspannteren Fahrt. In einem benutzerdefinierten Modus können die Spieler Elemente aus beiden Modi kombinieren und den Schwierigkeitsgrad an ihre persönlichen Vorlieben anpassen. Diese Flexibilität ist wichtig für Konsolenspieler, die das Genre zum ersten Mal erleben, und sie hält die Einstiegshürde niedrig, ohne Veteranen den Tiefgang zu nehmen.
Zum Lieferumfang des Spiels gehören rund 20 Busvarianten, darunter auch Gelenkbusse aller fünf lizenzierten Hersteller. Die Busse werden während des Spiels beschädigt und müssen schließlich repariert werden. Die Spieler können die Fahrzeuge zu einer externen Werkstatt schicken oder in den Aufbau einer eigenen Reparaturwerkstatt mit Arbeitsplätzen und angestellten Mechanikern investieren. Während der Fahrten läuft ein deutscher Euro-Techno-Radiosender - ein kleines Detail, das den langen Strecken durch die Stadt mehr Charakter verleiht.
Freies Spiel als Einstiegspunkt

Das Freeplay ist der schnellste Weg zum Fahren im Spiel. Der Spieler wählt eine Karte, einen Bus, einen Steuerungsmodus, eine bestimmte Route und Tour, ein Datum und eine Uhrzeit sowie die Wetterbedingungen. Es besteht kein finanzieller Druck. Keine Unternehmensziele oder Zeitpläne der Mitarbeiter stören. Der Modus isoliert das eigentliche Fahrerlebnis.
Diese Isolierung macht Freeplay für Lernsysteme effektiv. Die Anmeldung am Bordcomputer, die Schnittstelle zum Fahrkartenautomaten und das Berliner Straßenbild brauchen Zeit, um sich zurechtzufinden. Das Spiel führt die Spieler nicht mit konsequenter Klarheit durch diese Schritte. Um herauszufinden, wie man sich in den Buscomputer einloggt, kann ohne klare Anweisungen viel Zeit vergehen. Es gibt zwar Tutorials, aber sie lassen Lücken zwischen der Erklärung und der tatsächlichen Komplexität der Simulation. Spieler, die mit Versuch und Irrtum vertraut sind, werden sich anpassen. Andere könnten die Öffnungszeiten frustrierend finden.
Freeplay dient auch als Sightseeing-Tool. Berühmte Strecken wie die 100, 200, N100, 123, 142, 147, 245 und 300 führen durch die bekanntesten Bezirke Berlins. Der Maßstab 1:1 bedeutet, dass die Fahrten zwischen den Sehenswürdigkeiten ungefähr so lange dauern wie in der Realität. Spieler, die eher an virtuellem Tourismus als an Unternehmensführung interessiert sind, können unbegrenzt in diesem Modus bleiben.
Wirtschaftsmodus und Unternehmensaufbau

Der Wirtschaftsmodus ist der Punkt, an dem sich The Bus vom Rest des Genres unterscheidet. Die Spieler beginnen mit nichts. Die ersten Schritte bestehen darin, ein Büro zu mieten, einen Parkplatz zu organisieren, eine Firmenversicherung abzuschließen und einen Kredit zu beantragen. Mit dem Geld wird ein erster Bus gekauft, entweder neu oder gebraucht. Das Verkehrsunternehmen schickt die verfügbaren Aufträge per E-Mail, unterteilt in Einzelfahrten und ständig wiederkehrende Routen.
Die Einnahmen aus jeder abgeschlossenen Fahrt hängen von der Länge der Strecke, der Anzahl der Haltestellen und der Qualität der Fahrt ab. Die Bewertungen der Fahrten werden in vier Kategorien unterteilt: Economy" erfasst die beförderten Fahrgäste, "Service" misst die Einhaltung des Fahrplans bei Ankunft und Abfahrt, "Traffic Rules" überwacht Sachschäden, Unfälle, Vorfälle mit Fußgängern und Geschwindigkeitsübertretungen und "Driving Behaviour" bewertet Bremsen, Lenken, Ausweichen vor Bordsteinen und den Sicherheitsabstand. Jede Kategorie fließt in eine Gesamtbewertung der Unternehmensreputation ein, die den Zugang zu weiteren Routen und Verträgen ermöglicht.

Die Mitarbeiterverwaltung fügt eine weitere Ebene hinzu. Jede Einstellung wird mit individuellen Attributen versehen: Name, Gehalt, Erfahrung, Alter und Zufriedenheit. Erfahrene Fahrer erbringen bessere Leistungen, verlangen aber auch höhere Löhne. Jüngere Mitarbeiter kosten weniger und steigen durch die geleistete Arbeit schneller auf. Die Zufriedenheit schwankt je nach Zustand des Fahrzeugs, der Arbeitsbelastung und je nachdem, ob Anträge auf Gehaltserhöhungen genehmigt oder abgelehnt werden. Unzufriedene und ältere Mitarbeiter melden sich häufiger krank, was eine Anpassung der Arbeitszeiten erzwingt.
Wenn das Unternehmen wächst, wird der Liniendienst freigeschaltet. Dieser ermöglicht es den Spielern, Lizenzen für die Übernahme etablierter Strecken des städtischen Verkehrsunternehmens zu beantragen. Jede Lizenz ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft: eine Mindestreputationsstufe, eine erforderliche Anzahl von Fahrzeugen und aktiven Fahrern sowie eine Umsatzschwelle für die betreffende Strecke. Die Fortschrittsschleife führt vom Fahren zum Verdienen, zum Expandieren, zum Einstellen und zum Bewerben für neue Strecken und hält das Engagement über Dutzende von Stunden aufrecht.
Wo die Simulation versagt

Es gibt mehrere Bereiche, die das Erlebnis beeinträchtigen. Die Fahrphysik stellt die auffälligste Lücke dar. Den Bussen fehlt es an einem überzeugenden Gefühl für Gewicht und Schwung. Bei Kurvenfahrten kommt es eher zu einem Ruckeln als zu dem starken, allmählichen Lenkgefühl, das man von einem Fahrzeug dieser Größe erwartet. Für ein Spiel, das eindeutig als Simulator positioniert ist, tendiert das Fahrverhalten eher in Richtung Arcade, als es das Setting vermuten lässt.
Das Sounddesign folgt einem ähnlichen Muster. Nicht alle mechanischen Systeme sind vollständig vertont. Die Geräusche der Beifahrerfenster beim Öffnen und Schließen sind nur schwach zu hören. Bei der Klimaanlage gibt es keinen hörbaren Unterschied zwischen niedriger und hoher Gebläsestufe. Diese Lücken sind einzeln betrachtet unbedeutend, schwächen aber in ihrer Gesamtheit das Gefühl, eine komplexe Maschine zu bedienen.

Die Interaktion mit dem Fahrgast ist das größte Manko. Die Fahrgäste steigen ein, fordern eine Fahrkarte an, erhalten gegebenenfalls Wechselgeld und setzen sich. Sie reagieren nicht auf Verspätungen, starkes Abbremsen, überhöhte Geschwindigkeit oder verpasste Haltestellen. Der Bordcomputer verhindert eine falsche Fahrkartenauswahl oder ein falsches Wechselgeld vollständig, so dass Fehler oder Fahrgastbeschwerden ausgeschlossen sind. Wetter und Temperatur haben keinen Einfluss auf das Verhalten oder den Komfort der Fahrgäste. Heizungs- und Klimaregler befinden sich auf dem Armaturenbrett, haben aber keine erkennbaren Auswirkungen. In den Bussen sammelt sich mit der Zeit kein Schmutz an. Bei winterlichen Bedingungen gibt es keine beschlagenen Scheiben, keine sichtbare Kälte im Innenraum und keine spürbaren Auswirkungen des Warmlaufens des Motors. Zufällige Ereignisse treten zwar auf - Fahrgäste lassen gelegentlich Müll fallen, den die Fahrer aufsammeln müssen -, aber diese bleiben isoliert und sind nicht Teil eines vernetzten Fahrgastsystems.
Auch der Arbeitsablauf bei der Fahrkartenausstellung ist nicht gerade einfach. Bei jeder Fahrgasttransaktion muss der Fahrgast manuell das angebotene Geld auswählen, das richtige Ticket aus dem Computer auswählen und das Wechselgeld von Hand zurückgeben. Es gibt keine Schnelltasten, mit denen sich der Vorgang über Dutzende von Haltestellen pro Strecke hinweg beschleunigen ließe, und die Wiederholungen werden auf längeren Strecken ermüdend.
Leistungs- und Plattformunterschiede

Die Stabilität der Bildrate variiert. Auf offenen Strecken und in ruhigeren Bezirken bleibt die Leistung konstant, aber dichte Kreuzungen mit starkem KI-Verkehr und stehenden Fahrgästen verursachen sichtbare Einbrüche. Auf Konsolen wurde von gelegentlichen Einfrierungen von mehreren Sekunden Dauer berichtet, nach denen das Spiel normal weiterläuft. Die Simulation stellt hohe Anforderungen an die PC-Hardware und zeigt auf den Konsolen der PlayStation 5 und der Xbox-Serie eine ähnliche Belastung.
Die Konsolenversionen starten ohne Multiplayer- und Modding-Unterstützung, beides ist auf dem PC verfügbar. Im Multiplayer können Freunde gemeinsam Strecken durch Berlin fahren. Modding erweitert den Inhalt durch von der Community erstellte Ergänzungen. Ihr Fehlen auf den Konsolen schmälert den langfristigen Wert dieser Versionen im Vergleich zur PC-Version.
Die Benutzeroberfläche sorgt für anfängliche Schwierigkeiten. Die Menüs sind dicht, und die Navigation mit dem Controller ist nicht sofort intuitiv. Das Layout wird bei wiederholter Nutzung überschaubar, aber die ersten Sitzungen erfordern Geduld. In Verbindung mit der spärlichen Einführung in die Bordsysteme sind die ersten paar Stunden eine steilere Kurve als bei vielen anderen Simulationsspielen.
Fazit

Meiner Meinung nach ist The Bus ein 7/10-Spiel, aber im Vakuum der reinen Simulatoren wäre es vielleicht eine 8 oder sogar eine 9 in der Perspektive. Ich finde, dass das Berlin-Erlebnis und der Wirtschaftsmodus stark genug sind, um das Spiel über die schwächeren Systeme und fehlenden Funktionen hinwegzutragen.
Vorteile:
- Die Berlin-Karte im Maßstab 1:1 ist eine technische Meisterleistung mit authentischen Sehenswürdigkeiten, realistischen Abständen und einer akkuraten Streckengeografie.
- Der Economy-Modus bietet ein vielschichtiges Unternehmensmanagement mit Mitarbeiterattributen, Reputationsbewertung und Routenlizenzierungsprogression
- Rund 20 lizenzierte Busvarianten von fünf Herstellern werden mit detaillierten Innenräumen und funktionalen Bordcomputersystemen ausgeliefert
Nachteile:
- Der Fahrphysik mangelt es an Gewicht und Schwung, und das unruhige Kurvenfahren untergräbt den Realismus der Simulation.
- Die Fahrgastsysteme sind völlig passiv und reagieren nicht auf das Verhalten des Fahrers, die Wetterbedingungen oder Fahrscheinfehler.
The Bus bietet eine der detailliertesten Stadtumgebungen in der Verkehrssimulation, unterstützt durch einen Economy-Modus, den die meisten Konkurrenten in diesem Genre nicht bieten. Der lizenzierte Fahrzeugpark und die authentischen Berliner Strecken geben dem Spiel vom ersten Tag an eine starke inhaltliche Basis. Gezielte Updates für das Fahrgefühl, die Reaktionsfähigkeit der Fahrgäste und die Stabilität der Framerate würden den Abstand zwischen den Ambitionen des Spiels und seiner aktuellen Umsetzung schließen.

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