Der erste Teaser zu „Persona 6“ wirft die Frage auf, die Atlus nicht beantworten will: Ändert sich das Konzept?
Atlus stellte „Persona 6“ am 7. Juni auf dem Xbox Games Showcase vor und präsentierte den Fans ein Logo sowie ein grünes Farbschema in einem Trailer, der eher auf Atmosphäre als auf Gameplay ausgerichtet war. Bei der Enthüllung wurden Charaktere und Kämpfe ausgeklammert, und es gab keinerlei Hinweise auf den Schauplatz. Atlus wird erst weitere Informationen veröffentlichen, wenn „Persona 4 Revival“ am 18. Februar 2027 erscheint; echte Details zu „Persona 6“ werden also erst dann bekannt werden. Diese Lücke gibt den Fans Monate Zeit, sich mit einer Kritik auseinanderzusetzen, die games.gg diese Woche veröffentlicht hat: Ein Schüler als Protagonist, der soziale Kontakte knüpft und nachts Dungeons bewältigt, ist seit dem ursprünglichen „Persona 3“ im Jahr 2006 der Kern des „Persona“-Spielprinzips und hat sich seitdem strukturell nicht verändert.
Die Verkaufszahlen zeigen, warum Atlus keinen Druck verspürt, daran etwas zu ändern. „Persona 3 Reload“ hat im Juni weltweit die Marke von 3 Millionen verkauften Exemplaren überschritten – ein Anstieg von 2,97 Millionen im März, nachdem eine Portierung auf die Nintendo Switch 2 das Spiel über diesen Meilenstein hinausgetrieben hatte. Atlus verpackt immer wieder dieselbe Struktur neu, und sie verkauft sich weiterhin gut.
„Metaphor: ReFantazio“ ist der Beweis, der sich schwerer ignorieren lässt. Atlus hat den High-School-Rahmen aufgegeben und die gesamte Sozialsimulation in eine reife Fantasy-Welt verlagert, wobei auch die Romantik-Systeme wegfielen. Das Spiel verkaufte sich dennoch innerhalb von weniger als 24 Stunden eine Million Mal – das schnellste Ersttagsergebnis in der Geschichte des Studios. Seine Spielmechaniken haben den Wandel des äußeren Rahmens überstanden, und genau darauf zielt die Kritik von games.gg ab: Nichts an der Identität von „Persona“ erfordert einen Teenager in einem Klassenzimmer.
Ich interpretiere den P6-Teaser als Beweis gegen eine Abkehr von der bisherigen Formel. Medien, die über die Enthüllung berichteten, beschrieben den Ton als düster und melancholisch – näher an „Persona 3“ oder „Shin Megami Tensei“ als an der neonfarbenen Selbstsicherheit von „Persona 5“ –, und das sagt mir, dass Atlus vor allem Atmosphäre verkauft, bevor es sich dazu entschließt, irgendetwas darunter neu zu gestalten. Ich halte das für eine seltsame Strategie, wo doch die Verkaufszahlen von „Metaphor“ selbst als Beweis dafür vorliegen, dass eine echte Neuausrichtung funktioniert.
Für „Persona 6“ gibt es noch immer keinen Veröffentlichungszeitraum. Ein grünes Logo und ein Moodboard sind alles, woran man das Spiel derzeit beurteilen kann, und daran wird sich nichts ändern, bis „Persona 4 Revival“ erschienen ist und Atlus wieder davon spricht.
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