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Der wahre Grund, warum Publisher immer wieder auf etablierte Franchises setzen
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Der wahre Grund, warum Publisher immer wieder auf etablierte Franchises setzen

Wenn ein Publisher heute mehrere hundert Millionen Dollar in ein neues Spiel investiert, geht es längst nicht mehr nur um Qualität. Die größere Frage lautet, ob Spieler überhaupt bereit sind, dem Projekt Aufmerksamkeit zu schenken. Genau hier liegt einer der wichtigsten Gründe, warum große Publisher immer wieder zu bekannten Franchises zurückkehren.

Auf den ersten Blick scheint die Branche von Innovationen zu leben. Neue Technologien, neue Genres und neue Ideen treiben den Markt voran.

Gleichzeitig dominieren jedoch dieselben Namen seit Jahren die Verkaufscharts. Call of Duty, Grand Theft Auto, EA Sports FC, Assassin's Creed und League of Legends ziehen weiterhin Millionen Spieler an. Das ist kein Zufall. Die Spielebranche befindet sich in einer Phase, in der Aufmerksamkeit oft wertvoller geworden ist als Innovation.

Die größte Herausforderung ist nicht die Entwicklung eines Spiels

Viele Diskussionen konzentrieren sich auf steigende Entwicklungskosten. Tatsächlich sind moderne AAA-Produktionen teurer als je zuvor. Doch die Entwicklung ist längst nicht mehr der größte Unsicherheitsfaktor.

Das eigentliche Problem beginnt nach der Fertigstellung eines Spiels. Publisher müssen Spieler davon überzeugen, ihre Zeit in ein neues Universum zu investieren.

Vor zehn Jahren war diese Aufgabe deutlich einfacher. Heute konkurriert ein neues Spiel nicht nur mit anderen Neuerscheinungen. Es konkurriert mit Fortnite, GTA Online, Counter-Strike 2, Valorant und anderen Titeln, die bereits fest im Alltag vieler Spieler verankert sind.

Ein Spieler, der über Jahre Hunderte Stunden in Counter-Strike investiert hat, besitzt Skins, Freundesgruppen und feste Routinen. Ein neues Franchise muss all diese Hürden überwinden, bevor überhaupt Geld verdient werden kann.

Die Branche verkauft keine Spiele mehr – sie verkauft Ökosysteme

Eine der größten Veränderungen der letzten Jahre besteht darin, dass Publisher zunehmend ganze Plattformen statt einzelner Spiele aufbauen. Das Ziel ist nicht mehr nur ein erfolgreicher Verkaufsstart, sondern eine langfristige Nutzerbindung über Jahre hinweg.

Rockstar verkauft längst nicht mehr nur GTA. Mit GTA Online entstand ein Ökosystem, das Spieler durch regelmäßige Updates, Events, neue Inhalte und soziale Funktionen dauerhaft an die Marke bindet. Riot Games verfolgt eine ähnliche Strategie. League of Legends entwickelte sich von einem MOBA zu einem gesamten Universum mit Esports, Serien, Musikprojekten und weiteren Spielen.

Dieses Modell findet sich längst nicht mehr nur in der Gaming-Branche. Streaming-Dienste investieren kontinuierlich in exklusive Inhalte, um Nutzer in ihrem eigenen Ökosystem zu halten.

Auch moderne Glücksspielplattformen setzen auf langfristige Kundenbindung statt auf einmalige Transaktionen. Funktionen wie beschleunigten Auszahlungen, personalisierte Bonusprogramme, VIP-Systeme und exklusive Aktionen sollen Nutzer dazu bewegen, innerhalb derselben Plattform aktiv zu bleiben. Der eigentliche Wettbewerb findet nicht mehr nur über das Produkt statt, sondern über das gesamte Nutzererlebnis.

Selbst Activision betrachtet Call of Duty inzwischen als Plattform. Warzone, Mobile-Versionen und jährliche Releases greifen ineinander und halten die Marke dauerhaft präsent. Neue Franchises haben diesen Vorteil nicht.

Sie starten ohne Community, ohne Historie und ohne bestehende Reichweite. Während etablierte Marken auf Millionen bestehender Nutzer zurückgreifen können, müssen neue IPs ihr gesamtes Ökosystem erst aufbauen. Genau dieser Unterschied macht bekannte Franchises für Publisher deutlich attraktiver.

Aufmerksamkeit ist zur wichtigsten Währung der Branche geworden

Steam veröffentlicht jedes Jahr Tausende neuer Spiele. Gleichzeitig konkurrieren Publisher um dieselben Spielstunden.

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Aufmerksamkeit zu einer knappen Ressource geworden ist. Viele Publisher erkennen inzwischen, dass es einfacher ist, bestehende Communities zu halten als neue aufzubauen.

Assassin's Creed Shadows ist dafür ein gutes Beispiel. Bereits die Ankündigung erregte weltweit Schlagzeilen. Ein völlig neues Franchise mit identischem Budget hätte zunächst erklären müssen, warum Spieler sich überhaupt dafür interessieren sollten. Bekannte Marken besitzen einen Vorsprung, der sich nicht einfach kaufen lässt.

Concord zeigte die Grenzen großer Investitionen

Der Fall Concord entwickelte sich 2024 zu einem der wichtigsten Warnsignale der Branche. Das Projekt wurde über Jahre hinweg entwickelt und von Sony unterstützt. Dennoch gelang es dem Spiel nicht, eine ausreichend große Spielerbasis aufzubauen.

Für viele Publisher war dies mehr als nur ein gescheiterter Shooter. Concord zeigte, dass selbst enorme Budgets und starke Unterstützung keine Garantie für Aufmerksamkeit sind.

Die Konsequenzen reichen weit über Sony hinaus. Führungskräfte anderer Unternehmen beobachten solche Entwicklungen genau. Jeder spektakuläre Fehlschlag macht es schwieriger, die Finanzierung neuer Großprojekte zu rechtfertigen.

Publisher werden durch ihre eigenen Erfolge gebremst

Eine interessante Entwicklung wird oft übersehen. Viele Publisher würden gerne neue Franchises aufbauen. Ihre bestehenden Marken sind jedoch so erfolgreich, dass sie interne Konkurrenz erzeugen.

Warum sollte Take-Two erhebliche Ressourcen in ein riskantes neues Projekt investieren, wenn GTA weiterhin Milliarden generiert? Warum sollte EA seine erfolgreichsten Teams von EA Sports FC oder Apex Legends abziehen? Warum sollte Activision das Risiko eines neuen Shooters eingehen, wenn Call of Duty weiterhin enorme Reichweiten erzielt? Der Erfolg bestehender Franchises macht neue Investitionen automatisch weniger attraktiv.

Spieler fordern Innovation, handeln aber oft anders

Viele Umfragen zeigen, dass Spieler frische Ideen und neue Marken begrüßen. Die Verkaufszahlen erzählen jedoch häufig eine andere Geschichte.

Jahr für Jahr gehören bekannte Franchises zu den meistverkauften Spielen weltweit. Publisher beobachten dieses Verhalten sehr genau. Obwohl Spieler mehr Innovation fordern, investieren viele weiterhin den Großteil ihrer Zeit in etablierte Marken.

Diese Diskrepanz beeinflusst strategische Entscheidungen. Unternehmen orientieren sich letztlich stärker am tatsächlichen Nutzerverhalten als an Wunschvorstellungen.

Warum neue Franchises trotzdem unverzichtbar bleiben

Trotz aller wirtschaftlichen Vorteile etablierter Marken kann die Branche langfristig nicht ausschließlich auf bekannte Namen setzen.

Jedes erfolgreiche Franchise begann einst als riskante neue Idee. Weder Grand Theft Auto noch Assassin's Creed noch League of Legends verfügten zu Beginn über eine bestehende Community. Sie mussten erst aufgebaut werden.

Aktuelle Beispiele wie Helldivers 2, Palworld, Black Myth: Wukong oder Clair Obscur: Expedition 33 zeigen, dass neue Marken weiterhin enorme Erfolge erzielen können. Die Hürde für den Durchbruch ist jedoch deutlich höher geworden.

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